Alle Artikel
KI & Praxisführung

KI in der Klinik: von Marktzahlen zu tragfähigen Entscheidungen

· Priscilla Main · 7 Minuten

Aktuelle Erkenntnisse aus Deutschland, Österreich und der Schweiz helfen, KI nüchtern einzuordnen. Entscheidend sind der konkrete Ablauf, sichere Datenverarbeitung und ein messbarer Nutzen für Ihr Team.

Clinic manager and physician review an AI-assisted administrative workflow

Zwischen Überweisung, Aufnahmegespräch und nächstem Termin entstehen viele kleine Arbeitsschritte. KI kann bei geeigneten Aufgaben unterstützen. Ob daraus Entlastung wird, hängt jedoch vom gesamten Ablauf ab: von der Datenqualität über die Prüfung eines Ergebnisses bis zur Übergabe an die nächste Person. Für Praxen und selbstständige Kliniken im DACH-Raum lohnt deshalb ein genauer Blick auf die Zahlen und ihre Grenzen.

1. Der Markt zeigt Bewegung, keine klinische Erfolgsquote

Die von Statistik Austria am 24. Juni 2026 veröffentlichte EU-Auswertung weist für das erste Halbjahr 2025 KI-Nutzung bei 26 % der deutschen und 30 % der österreichischen Unternehmen aus. Der EU-Durchschnitt liegt bei 20 %. Erfasst wurden Unternehmen ab zehn Beschäftigten in ausgewählten Wirtschaftszweigen; das Gesundheitswesen gehört nicht dazu. Die gerundeten Werte sind damit ein wirtschaftlicher Hintergrund, keine Statistik über Arztpraxen oder Kliniken.

Auch eine wachsende Verbreitung beantwortet nicht, ob eine bestimmte Anwendung zuverlässig arbeitet oder Zeit spart. Für kleinere Teams ist die sinnvollere Ausgangsfrage: Welche wiederkehrende Aufgabe bindet heute Kapazität, und lässt sich ihr Ergebnis eindeutig prüfen?

Anteil der Unternehmen mit KI-Nutzung im ersten Halbjahr 2025: Österreich 30 Prozent, Deutschland 26 Prozent, EU-27 20 Prozent. Gerundete Anteile für Unternehmen ab zehn Beschäftigten in ausgewählten Wirtschaftszweigen, ohne Gesundheitswesen. Keine Nutzungsquoten von Kliniken.
Statistik Austria, 24. Juni 2026, auf Basis der Eurostat-Erhebung. Berichtszeitraum: erstes Halbjahr 2025. Unternehmen ab zehn Beschäftigten in ausgewählten Wirtschaftszweigen; ohne Gesundheitswesen. Gerundete Anteile. Die Zahlen belegen weder klinische Verbreitung noch Zeitgewinn.

2. Schweizer Erwartungen richtig einordnen

Das Swiss eHealth-Barometer 2026 von gfs.bern, veröffentlicht im April 2026, liefert einen versorgungsnäheren Blick. Befragt wurden vom 18. November 2025 bis 7. Januar 2026 schweizweit 1.187 Personen: Ärztinnen und Ärzte, IT-Verantwortliche in Spitälern sowie kantonale Verantwortliche. Routineautomatisierung und diagnostische Unterstützung stehen bei den möglichen KI-Einsatzgebieten weit oben.

Wichtig ist die Fragestellung: Die Auswertung verbindet bereits genutzte Anwendungen mit einer vorstellbaren Nutzung innerhalb der nächsten fünf Jahre. Sie misst daher keine aktuelle Nutzungsquote in Schweizer Kliniken. Die Stichprobe ist zudem ungewichtet und umfasst unterschiedliche Berufsgruppen. Für die eigene Entscheidung bleibt zu prüfen, welche Unterstützung zum konkreten Versorgungsprozess passt.

3. Beginnen Sie mit einem klar begrenzten Prozess

Ein geeigneter Ausgangspunkt kann die administrative Vorbereitung einer Überweisung sein. Welche Angaben müssen vorliegen? Wer fordert fehlende Unterlagen an? Wer entscheidet, wann das Dossier zur fachlichen Beurteilung bereitsteht? Zeichnen Sie zunächst den heutigen Ablauf auf, einschließlich Rückfragen und doppelter Eingaben.

Eine Vollständigkeitsprüfung oder Erinnerung lässt sich häufig mit festen Regeln abbilden. Ein Textentwurf kann eine Aufgabe für KI sein, sofern die Anwendung dafür geeignet ist und eine qualifizierte Person das Ergebnis prüft. Ein vollständig ausgefülltes Dossier ist noch keine medizinische Freigabe.

  • Eine Aufgabe mit klarem Anfang und Ende auswählen.
  • Prozessverantwortung und Prüfung einer konkreten Person zuweisen.
  • Mit erfundenen Patientenfällen und schwierigen Ausnahmen testen.
  • Festlegen, wann das Team auf die manuelle Bearbeitung zurückgreift.

4. Datenfluss und Verantwortung vorab klären

Die deutsche KBV empfiehlt in ihren Hinweisen vom 1. Oktober 2026, bei Spracherkennung auch externe Server, Zugriffsrechte und Verarbeitungszwecke zu prüfen. KI-Ergebnisse sollen auf Plausibilität, Vollständigkeit und fachliche Nachvollziehbarkeit kontrolliert werden. Für die Praxis bedeutet das: Die ursprüngliche Information muss für die prüfende Person erreichbar bleiben.

Die österreichische Datenschutzbehörde betont, dass auch beim Einsatz fremder KI-Systeme die eigene datenschutzrechtliche Verantwortung bestehen kann. Die KI-Verordnung ersetzt die DSGVO nicht. Klären Sie mit den zuständigen Fachleuten insbesondere Rechtsgrundlage, Auftragsverarbeitung, Löschfristen, Datenübermittlungen und eine gegebenenfalls erforderliche Datenschutz-Folgenabschätzung.

Für die Schweiz empfiehlt die FMH kontrollierte Verarbeitung und die Einhaltung des Schweizer Datenschutzgesetzes. Sprachmodellausgaben sind fachlich zu prüfen; eine überzeugende Formulierung ist keine geprüfte Fachinformation. Eine Freigabe für einen Standort sollte deshalb nicht ungeprüft auf einen anderen Staat übertragen werden.

Fragen Sie den Anbieter außerdem nach dem vorgesehenen Verwendungszweck. Sobald eine Anwendung medizinische Entscheidungen unterstützen soll, müssen die einschlägigen Anforderungen an Medizinprodukte und KI für diesen konkreten Einsatz geprüft werden. Planen Sie auch Fehler, Ausfälle und relevante Softwareänderungen ein.

5. Das Team braucht eine gemeinsame Arbeitsweise

Eine kurze Schulung sollte am eigenen Prozess ansetzen: Welche Daten dürfen eingegeben werden? Was muss geprüft werden? Wer meldet ein fehlerhaftes Ergebnis, und wer entscheidet über eine Unterbrechung? Üben Sie auch unvollständige Angaben, widersprüchliche Dokumente und unterschiedliche Sprachkenntnisse.

Halten Sie die freigegebenen Anwendungen und Einsatzbereiche schriftlich fest. Neue Funktionen sollten erst nach einer erneuten Prüfung in den Alltag gelangen. So bleibt für Mitarbeitende erkennbar, welche Unterstützung tatsächlich vorgesehen ist.

6. Messen Sie den vollständigen Arbeitsgang

Legen Sie vor dem Pilot fest, woran Sie eine Verbesserung erkennen. Vergleichen Sie ähnliche Fälle und dieselben Prozessschritte. Die Geschwindigkeit eines Textentwurfs allein sagt wenig aus, wenn anschließend viel korrigiert werden muss.

  • Arbeitszeit einschließlich Eingabe, Prüfung und Korrektur
  • Fehlende Angaben und zusätzliche Rückfragen
  • Zeit bis zur administrativen Bereitschaft des Dossiers
  • Fehler, Nacharbeit und manuelle Ersatzverfahren
  • Gesamtkosten für Nutzung, Einrichtung, Schulung und Betrieb

Was Sie heute mit PRIS Care prüfen können

PRIS Care unterstützt die Registrierung von Patienten und Überweisungen, Aufnahmephasen, die Zuweisung von Fachpersonen, dossierbezogene Checklisten sowie interne Termine mit Überschneidungsprüfung. Der derzeitige Versorgungsassistent zeigt nächste Schritte und interne Hinweise anhand fester Checklistenregeln.

Live-KI-Gespräche und Zusammenfassungen müssen noch aktiviert werden. Automatisches Auslesen von Dokumenten, Patienten-E-Mails und SMS sowie die Synchronisierung mit elektronischen Patientenakten sind noch nicht aktiv. Das niederländische ZorgDomein-Modul ist entwickelt; der Live-Empfang setzt eine genehmigte Anbindung, Einrichtung und einen erfolgreichen Test voraus.

Vor der Verarbeitung echter Patientendaten müssen die notwendigen Vereinbarungen und Prüfungen abgeschlossen sein. Im ersten Gespräch lässt sich klären, welchen Ablauf Sie verbessern möchten, was bereits unterstützt wird und welche lokalen Anforderungen noch zu erfüllen sind. Medizinische Beurteilungen und Behandlungsentscheidungen bleiben bei den befugten Gesundheitsfachpersonen.

Wählen Sie einen verständlichen Prozess, machen Sie Zuständigkeiten sichtbar und entscheiden Sie anhand Ihrer eigenen Ergebnisse über den nächsten Schritt.

Priscilla Main · LinkedIn

PILOT-LAUNCHPARTNER

Drei Kliniken. Eine Region. Ein Vorsprung.

Werden Sie PRIS Care Pilot-Launchpartner und erhalten Sie während des Launchpiloten kostenlosen frühen Zugang zu allen unseren Diensten.

Wir akzeptieren nur drei Kliniken pro Region (Land). Füllen Sie die Umfrage aus und erstellen Sie anschließend selbst Ihr Konto auf der Registrierungsseite mit derselben E-Mail-Adresse.

Frühen Zugang beantragenSchon beworben? Anmelden